„Flagge zeigen!“, „Demokratie leben!“

Das geht auch beim Freizeitspaß „Saar Pedal“

Saarburg. An Saar-Pedal-Sonntagen haben viele nur eines im Sinn: Radfahren und den autofreien Erlebnistag genießen. Wer beschäftigt sich da schon gerne mit Themen wie Toleranz oder Vorurteile? Die Antwort: Mehr Menschen, als man vielleicht denkt. Sicher: Auch am 20. Mai ließen unzählige Radfahrer das Angebot am Saarburger Saarufer links liegen und rollten zügig an der Aktionszone vorbei – doch immer wieder wurde auch die Bremse betätigt, um zu schauen, was es mit den Transparenten mit der Aufschrift „Demokratie leben“ auf sich hat. Vor allem das riesige Blatt, das auf dem Boden lag, weckte die Neugier: Was sind denn das für Statements und Fragen?

Blatt und Transparente gehörten zum Stand der Koordinierungs- und Fachstelle (KuF), die normalerweise in der Saarburger KulturGießerei das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ mit Leben füllt. Nicht immer nur warten, bis Interessierte in die KulturGießerei kommen, sondern „Flagge zeigen“ und dorthin gehen, wo die Menschen sind. So könnte man die Intention des Teams auf den Punkt bringen. Ein durchaus gewagtes Unterfangen, mitten im Trubel eines Freizeitvergnügens ein eher sperriges Thema anzubieten. Doch, das Fazit lautet: Experiment geglückt.

Schließlich geht es den Verantwortlichen weniger um Quantität, sondern Qualität der Arbeit. „Ich hatte viele gute Gespräche“, resümiert Saman Ghasemloo.N, KuF-Koordinatorin beim „lokalen Bündnis für Familie in der VG Saarburg“. Und Iris Frosch, Mitarbeiterin des Aktionsprogramms „Flagge zeigen“, ergänzt: „Wir sind sehr zufrieden. Es ging sehr munter zu.“ Frosch freut sich sehr, dass auch viele Kinder und Jugendliche angehalten und sich informiert haben und auch keine Hemmungen hatten, den Stift zu heben. „Das gibt sehr viel Hoffnung für uns als Gesellschaft.“

Den Stift heben? Ja. Denn wer wollte, konnte seine Meinung zu Papier bringen: zu Statements wie „Toleranz bedeutet, jeden Menschen so zu akzeptieren, wie er ist!“ oder „Toleranz ist Voraussetzung für ein friedliches Miteinander!“ oder „Toleranz garantiert ein erfolgreiches wirtschaftliches und gesellschaftliches Weiterkommen“; zu Fragen wie „Glauben Sie, dass man Vorurteile überwinden kann?“ oder „Können Sie jemanden tolerieren, der Fakten leugnet wie zum Beispiel den Holocaust?“ oder „Gibt es Dinge, die man nicht tolerieren kann?“ Auf den Transparenten stand es bunt auf weiß: „Wir engagieren uns, denn wir sind gegen Rassismus, gegen Antiziganismus, gegen Antisemitismus und gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit.“

Themen, die viele Menschen nicht kalt lassen. Da war der ältere Herr aus Speicher, der sich radelnd mit seinem Enkel einen schönen Tag machte, aber auch ernste Themen nicht scheute. Denn er hat als Kind den Krieg erlebt, „und so etwas darf es nicht mehr geben“. Auch der Enkel nahm sich gerne Informationsmaterial mit, „vielleicht kann ich ja mit Mitschülern oder Freunden auch einmal ‚Flagge zeigen‘“ Da war die Mutter aus Wincheringen, die die Aktion wichtig fand und froh ist, dass ihre Tochter auch schon in der Schule über die Bedeutung der Demokratie gesprochen hat. Und da waren die jungen Leute, die bemerkten: „Das bringt doch alles nichts. Wer nichts von Toleranz und Demokratie hält, den kann man nicht überzeugen.“ Im Gespräch überwog dann aber die Einschätzung, man könne es ja trotzdem versuchen, mit guten Argumenten zu überzeugen.

Wie es sich für eine Veranstaltung wie „Saar Pedal“ gehört, hatte das Team von „Demokratie leben“ nicht „nur“ Informationen mitgebracht. Nein, die Ehrenamtlichen der Fahrrad-Werkstatt halfen so manchem bei diversen Rad-Problemen. „Haben Sie eine Klingel?“ Nein, das nicht. Aber viele Fahrradschläuche gingen über die Theke. Und die helfenden Hände standen auch hoch im Kurs.

Da die Liebe (zur Demokratie) ja bekanntlich durch den Magen geht, gab es auch einen Multi-Kulti-Essensstand mit Köstlichkeiten aus der vietnamesischen und afghanischen Küche. Marco Zimmer: „Das Angebot ist gut angenommen worden. Die Menschen waren froh, dass sie hier bei uns eine leckere Essensalternative zu Pommes und Würstchen finden konnten.“ Viele hätten auch gefragt, wo das Essen herkommt oder was die Küche des jeweiligen Landes ausmacht. Und um was es bei „Demokratie leben!“ eigentlich geht.

Der Erlös (Spenden in der Fahrrad-Werkstatt und Verkauf von Essen) kommt dem lokalen Bündnis für Familie zugute.

(Ingrid Fusenig, freie Journalistin)

„Flagge zeigen!“, „Laufend Demokratie leben!“

Das geht auch beim 5. internationalen Saarburger Stadtlauf

Saarburg. Noch etwas aus der Puste, aber gut gelaunt und mächtig stolz treffen sie sich nach dem Zieleinlauf am Stand von „Demokratie leben“ in der Heckingstraße: Die Zweiheimischen, die beim Firmen- und Jedermannslauf für die KulturGießerei an den Start gegangen sind, haben in der Teamwertung den 27. Platz erobert. Bei 48 Mannschaften und „fast ohne Training“, wie sie sagen, eine reife Leistung. Wie die anderen Läuferinnen und Läufer auch tragen sie nun die kleinen Rucksäcke, die die Veranstalter allen Teilnehmern geschenkt haben. Darauf der Slogan „Wer, wenn nicht wir!“ und der Hinweis auf „Demokratie leben“ und „Saarburger Vielfalt“.

Die Verantwortlichen der KulturGießerei freuen sich natürlich über die guten Laufzeiten ihres Teams bestehend aus Zweiheimischen mit Wurzeln in Syrien und Afghanistan. Insgesamt aber geht es eher um das olympische Motto: Dabeisein ist alles. Wie bereits beim Freizeitspaß „Saar Pedal“ am 20. Mai will man dorthin gehen, wo die Menschen sind, um „Flagge zu zeigen“.

„Flagge zeigen“: ein wichtiges Anliegen der Koordinierungs- und Fachstelle (KuF), die in der Saarburger KulturGießerei das Bundesförderprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ umsetzt. Kann das bei einem Internationalen Stadtlauf funktionieren? „Ja. Ich fand es sehr gelungen“, bilanziert Dr. Anette Barth, Geschäftsführerin der Koordinierungs- und Fachstelle.

Und in der Tat: Zwar sind Läufer in aller Regel sehr fokussiert, haben eher Strecke, Schritte und Stoppuhr im Blick. Da wird die Pulsfrequenz beachtet, da geht es um gute Zeiten oder einfach auch ums Durchhalten und Ankommen. Dennoch kam am 29. Juni niemand an den Anliegen von „Demokratie leben“ vorbei. Programmheft, Aufsteller mit Kilometerangaben, Plakate, Westen der Streckenposten, Rucksäcke: An allen Ecken und Enden der Stadt war zu lesen, worum es bei „Demokratie leben“ geht. Mehr noch: Ein- und Zweiheimische waren nicht bloß Gegner einer Laufveranstaltung. Nein! Gemeinsam gestalteten sie die Rennen. Hand in Hand, Seite an Seite. Ob nun eingeteilt als Streckenposten, als Helfer an den Ständen oder – bei der Hitze enorm wichtig – als Wasser-Spender. An der KulturGießerei zum Beispiel sorgte ein großes gemischtes Team für Durstlöschung und erntete so manches Dankeschön.

Da machte es auch nichts, dass der Hauptstand von „Demokratie leben“ am Zieleinlauf nicht so gefragt war wie noch bei „Saar Pedal“. Doch am Ende blieb auch dort das große Papier nicht unbeschriftet: Einige Interessierte hatten sich dann doch mit der Frage beschäftigt, wie „wichtig Toleranz für unsere Demokratie ist“, hatten zum Stift gegriffen und ihre Einschätzung abgegeben.

Anette Barth: „Die vier jungen Organisatoren haben großartige Arbeit geleistet mit ihren Helferinnen und Helfern: Besonders in der Umsetzung und Aktion vor Ort waren viele Ein- und Zweiheimische gemeinsam aktiv.“ Das Ziel sei erreicht worden, „Demokratie leben“ nicht nur als Programm in einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, „sondern vor allem auch aktive Demokratiearbeit an der Basis zu machen, zu den Menschen zu gehen und sie zu informieren!“

Laufen und „Flagge zeigen“: Das passt irgendwie gut zusammen. Für Beides braucht es manchmal einen langen Atem. Und Begeisterung. Daran mangelte es in Saarburg nicht. Alle Läuferinnen und Läufer wurden beklatscht und angefeuert. Ganz gleich, ob rekordverdächtig unterwegs oder etwas langsamer; ganz gleich, ob ein- oder zweiheimisch. Das Team der KulturGießerei durfte sich sogar über besondere Motivation freuen. So stand an einem Fenster der Schriftzug: „Wir fiebern mit für die Läufer der KulturGießerei. Toi, toi, toi! Allez! Yallah!“

(Ingrid Fusenig, freie Journalistin)

Das Projekt „Flagge zeigen: präsent sein!“ wurde im Jahr 2018 von der KuF „Demokratie leben!“ der VG Saarburg durchgeführt. Ziel war es, an ausgewählten Großereignissen in der Stadt präsent zu sein und für die demokratischen Werte und für Vielfalt in unserer Gesellschaft zu werben. Gezielt wurde versucht, mit Bürger*innen der VG ins Gespräch zu kommen, um Argumentationshilfen gegen Stammtischparolen zu liefern und um Menschen für die Mitarbeit in „Demokratie leben!“ Projekten zu gewinnen.
Dazu wurden zwei Aktionstage in der Stadt Saarburg organisiert und durchgeführt: am 20.5.18 war die KuF bei der regional übergreifenden Großveranstaltung „Saarpedal“ präsent und am 29.6.18 beim 5. Internationalen Stadtlauf.
Bei beiden Veranstaltungen wurde versucht, bei den Bürger*innen mittels einer PR Aktion Interesse für das Programm und seine Inhalte zu wecken. Dazu wurde von den Mitarbeiter*innen der KuF eine Bodenzeitung vorbereitet, mit der es gelang, Gespräche mit Interessierten zu führen, Flyer zu verteilen und mögliche zukünftige Projektträger zu gewinnen.
Die Bodenzeitung behandelte die Frage „Wie wichtig ist Toleranz für unsere Demokratie?“

Neben der Bodenzeitung führte die KuF im Rahmen dieses Projekts folgende öffentlichkeitswirksame Werbemaßnahmen durch:

  • Pressekonferenz zur Ankündigung der Veranstaltung
  • Schlüsselanhänger mit den Schriftzügen „Wer, wenn nicht wir! ww.demokratie-leben.de“ und „Miteinander" www.saarburg-vielfalt,de.
  • Werbewürfel mit Plakaten aus der „Wer, wenn nicht wir!“ Bundeskampagne
  • T-Shirts aus der „Wer, wenn nicht wir!“ Bundeskampagne
  • Stoffbeutel mit Aufdruck aus der „Wer, wenn nicht wir!“ Kampagne
  • „Demokratie leben!“ Logodruck auf allen Startnummern des Stadtlaufs, Kampagnenspruch Aufdrucke auf den Warnwesten aller Helfer*innen und auf allen Aufstellern, sowie ein ausführlicher Text über „Demokratie leben!“ im Laufheft.

Kontakt

Lokale Partnerschaft für Demokratie

Koordinierungs- und Fachstelle (KuF):

Lokales Bündnis für Familie in der VG Saarburg e.V.

KulturGießerei

Staden 130

54439 Saarburg

06581/2336

Koordinatorin

Saman Ghasemloo.N
demokratie@saarburg-vielfalt.de

 

Jugendforum

Susanna Kiemen

jugendforum@saarburg-vielfalt.de
 

Geschäftsführung​ / Öffentlichkeitsarbeit
Aktionsprogramm "Flagge zeiegn"

Dr. Anette Barth​

info@saarburg-vielfalt.de

Federführendes Amt

Verbandsgemeinde Saarburg

Referat Jugend, Kultur, Sport

Schlossberg 6

54439 Saarburg

 

demokratie-leben@vg-saarburg.de