Interkulturelle Projektwoche

Geschwister-Scholl-Schule

BBS Saarburg

Alltagshelden machen Schule

 

„Was heißt Hier fremd?“: bewegende Projektwoche der Geschwister-Scholl-Schule Saarburg

Längst hat es zur Pause geläutet, doch im Gymnastiksaal machen die Schülerinnen und Schüler munter weiter, üben voller Elan und Konzentration die Schritte, die Maher Abdul Moaty vorgibt. Es ist ein Workshop der Tänzerin, Choreografin und Regisseurin Hannah Ma, die in ihren Projekten Themen wie Flucht, Vertreibung, Willkommenskultur und Integration aufgreift „Maher ist syrischer Flüchtling“, sagt sie. „Doch für uns ist er das, was er ist: ein Tänzer.“

Den Menschen sehen, ganz gleich, wo er herkommt: Hannah Ma bringt so vielleicht auf den Punkt, worum es fünf Tage lang in der Geschwister-Scholl-Schule, der Berufsbildenden Schule Saarburg, geht. „Was heißt Hier fremd?“ fragen 350 Schüler und 50 Lehrer während ihrer interkulturellen Projektwoche. Tanzen, gestalten, singen, zuhören, fragen, analysieren – bei der Antwort auf diese Frage herrscht bunte Vielfalt. Und wer die Schule in diesen Tagen besucht, sieht und spürt: Die jungen Leute sind engagiert, mit ganzem Herzen bei der Sache.

Jutta Pohl – stellvertretende Schulleiterin und im Projektteam aktiv – ist begeistert, wie die Klassen die Vorgabe „Was heißt Hier fremd?“ interpretieren und die Woche mit Leben und Inhalten füllen. „Es ist ein Thema, das sie berührt. Das sie packt. Das sie anspornt und kreativ werden lässt.“

Die erschreckende Zunahme von Hetze und Gewalt, Angriffe auf Flüchtlinge, auf Andersdenkende, Fremdenfeindlichkeit, alltäglicher Rassismus, Rechtsruck, Radikalisierung – da heißt es dagegenzuhalten. „Wir als Schule und als Lehrer ganz besonders stehen da in der Verantwortung“, erklärt Jutta Pohl. Für die Saarburger Schülerinnen und Schüler sei das Thema sehr lebensnah, schließlich kommen sie aus insgesamt 20 Herkunftsländern.

So wissen viele aus eigener Erfahrung, was das Ergebnis der jüngsten Shell-Studie im Alltag, im wahren Leben bedeutet. Laut der Erhebung aus dem Jahr 2015 fühlt sich nämlich „fast die Hälfte aller Jugendlichen mit Migrationshintergrund wegen ihrer Herkunft diskriminiert“. Der alltägliche Rassismus, ob er sich nun verbal oder in Taten äußert, werde vielfach einfach hingenommen oder verharmlost.

Zum Einstieg in das Thema zeigt Jutta Pohl den Jugendlichen einen Trailer. Darin berichten zwei Flüchtlinge, was es bedeutet, fremd zu sein.

„Schockiert“; „fassungslos“; „traurig“: Die Schülergruppe, die sich seit Tagen mit „Hasskommentaren in sozialen Netzwerken“ beschäftigt hat, ist sehr angefasst von den Ergebnissen der Recherche. Obwohl sie vorher „ungefähr wussten, was da oft rausgehauen wird“, sind sie doch tief betroffen. Doch sie lernen auch, wie man solchen Hass-Tiraden begegnet. Wie man gegensteuert. Wie man sich selber schützt. In anderen Projekten heißt es „Wie begegnen wir Vorurteilen?“ oder „Argumentieren gegen Stammtischparolen“. Na, wenn das kein lebensnaher Unterricht ist?

Lebensnah auch die Projekte in Kooperation mit dem Saarburger Jugendzentrum. „Das geht den Schülern schon sehr unter die Haut“, erzählt Kerstin Knopp, pädagogische Mitarbeiterin des Jugendzentrums. Beim „Planspiel Flucht“ wird der Supergau im Atomkraftwerk Cattenom angenommen. Den Flüchtenden werden viele Steine in den Weg gelegt. Und spätestens beim Blick auf die Landkarte ist das Erschrecken groß, dass zwischen Cattenom und Saarburg gerade einmal „ein Finger passt“. „Zivilcourage“ und „Alltagshelden“ sind gefragt, als die Gruppe in der Saarburger Innenstadt einen Ohnmachtsanfall simuliert und wenig später realitätsnah einen Jugendlichen verprügelt. Knopp: „Die Schüler wollen unbedingt, dass irgendwo geschrieben steht: ‚Die Saarburger haben Mumm!‘“ In sämtlichen Fällen seien beherzte Bürger zur Hilfe geeilt, eine „Eisdielenbesitzerin hatte die Polizeinummer schon gewählt“.

Literatur, Chansons, Kunst kennt keine Grenzen, internationale Küche, Filme, Lesung, Jüdisches Leben in Trier – 35 Projekte füllen den Stunden- oder besser Wochenplan. Während einige Schüler in Worte fassen, was für sie „fremd“ bedeutet, „basteln“ andere am Internet-Auftritt, führen Interviews oder schreiben Blogs. Die Schüler haben nicht nur gemeinsam ein Thema aufgearbeitet, sie haben sich vielleicht auch besser kennen gelernt. Können sich das Herkunftsland des Mitschülers nun besser vorstellen oder wissen mehr über „meinen Alltag, deinen Alltag, unseren Alltag“.

Die Geschwister-Scholl-Schule hat übrigens mit dem Ende der Projektwoche (27. Juni bis 1. Juli) ihren Einsatz gegen Rassismus und Hetze nicht ad acta gelegt. „Nein, da ist Nachhaltigkeit oberstes Gebot“, erzählt die stellvertretende Schulleiterin Jutta Pohl. Intern habe man bereits überlegt, sich für das Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ zu qualifizieren. Oder ein Projekt für Referendare zu unterstützen, bei dem es darum geht, „als junger Lehrer alltäglichen Rassismus zu erkennen und gegenzusteuern“.

Die Projektwoche überdauern wird in jedem Fall der Tisch der Kulturen, ein Gemeinschaftswerk der „Metaller und Holzleute“. Das Besondere: Der Tisch hat nicht nur einen hervorragenden Regenbogen, präsentiert die Farben der fünf Kontinente. Nein, er hat auch mehrere Schubladen, die man einsehen kann. Sie sollen regelmäßig neu bestückt werden mit Besonderheiten aus den jeweiligen Kulturkreisen der Schülerinnen und Schüler. Der Tisch ist ein Kunstwerk. Trotzdem wird er auch seinen guten Alltagszweck erfüllen: Die Schüler dürfen, nein sollen sogar daran Platz nehmen. Ein Tisch, an dem es höchstwahrscheinlich eine Rolle spielt, was jemand sagt, aber nicht, woher er kommt. 

 

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