Flagge zeigen für religiöse Vielfalt

Blick auf das Zuckerfest | ein Bericht von Ingrid Fusenig

Vielfalt „schmeckt“ zuckersüß

„Flagge zeigen“: Gelungenes Fest zum Fastenbrechen in der KulturGießerei und der Blick auf das Verbindende der Weltreligionen

 

Im Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York war sie schon zu sehen, am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg, am Standort des Weltwährungsfonds in Washington, und aktuell zieht sie in der KulturGießerei Saarburg viele Blicke auf sich: die Ausstellung „Weltreligionen, Weltfrieden, Weltethos“. Eine Woche lang boten die Infotafeln bereits Schülerinnen und Schülern aus Saarburg interessanten Lehrstoff, am 25. Juni schließlich wurde die Ausstellung der Tübinger Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung offiziell eröffnet.

Die Eröffnungsfeier erfüllte dabei gleich ein Herzensanliegen der Stiftung: den Dialog der Religionen und Kulturen ankurbeln. Denn an diesem Tag trafen sich in der KulturGießerei Menschen verschiedenen Glaubens, um miteinander zu lachen, zu essen, zu diskutieren und Musik zu hören. Ortsansässige muslimische Familien hatten gekocht – einige sogar die komplette Nacht zuvor – und wollten gemeinsam mit der Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie in der Verbandsgemeinde Saarburg zeigen, wie ihre Bräuche, Traditionen und ihr Glaube aussehen. Anlass war das Fastenbrechen, das Muslime am Ende des Fastenmonats Ramadan auf der ganzen Welt feiern. In der Türkei wird es auch Zuckerfest genannt.

„Menschen gleich welchen Glaubens fasten, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten“, sagte die Luxemburger Diplom-Theologin Tania Carier, freie Referentin der Stiftung Weltethos. In den Religionen sei das Fasten eine bewusste Rückbesinnung auf Gott. Wichtig sei die Verpflichtung zum Teilen. Es gehe darum, die Menschen in Not nicht zu vergessen. Dass Gläubige den Frieden wünschen, sei ebenso ein fundamentaler Wert. Und genau das wolle die Ausstellung zeigen: das Gemeinsame, das Verbindende der Weltreligionen.

Laut Tania Carier hat der katholische Theologe Hans Küng 1995 die Stiftung Weltethos gegründet. Den Begriff hatte er bereits 1990 in einer Schrift geprägt. Sein Credo: „Es wird keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden geben. Wir brauchen den Dialog zwischen den Religionen.“ Ehrfurcht vor dem Leben, Verpflichtung zur Gewaltlosigkeit, gerechtes und faires Handeln: die Liste der verbindlichen und verbindenden Normen und Werte, formuliert als „goldene Regel“, ist lang.

„Viele Konflikte sind religiös motiviert. Missverständnisse resultieren meist aus fehlender Kenntnis “, sagte Tania Carier. Einen Beitrag der Werte-Erziehung, „miteinander, nicht übereinander zu reden“, leiste die Ausstellung. Auf 15 großformatigen Tafeln werden Religionen – vom Buddhismus über den Hinduismus bis zum Judentum und Christentum – vorgestellt. Es gibt Portraits der „großen Leitfiguren“, zentrale heilige Texte, Zitate berühmter Philosophen und Humanisten und nicht zuletzt Botschaften von Persönlichkeiten, die das Prinzip der Menschlichkeit und des friedvollen Miteinanders predigten und lebten wie etwa Mutter Teresa oder Nelson Mandela.

Auf den Tafeln springen zudem aktuelle Schlagzeilen aus Zeitungen ins Auge, die bewusst machen, wie es in der Welt eben auch aussieht: „Uganda: Killer, 15 Jahre, sucht Job“ heißt es da. Oder: „Schulschießerei in Nevada. Todesschütze war erst zwölf Jahre alt“. Oder: „AKW Fukushima: Tepco vermeldet Kernschmelze“. Tania Cariers Fazit: „Die Regeln und Normen sind im Grunde bekannt, es gilt nur, sie umzusetzen, um in einem harmonischen Miteinander zu leben.“

Ganz so also, wie es beim Zuckerfest in der KulturGießerei Saarburg vorgelebt wurde. Leckeres Essen aus „fernen“ Kochtöpfen, Balkan-Rhythmen, persische Musik, afghanische Balladen, Beiträge der deutschen Band „Helium Nation“, Musik und Tanz mit der albanischen Band „Balkan Tallava“ – fein gewürzt mit diesen Zutaten wurde das Zuckerfest tatsächlich zu einem Fest der Begegnung und der gelebten Demokratie. Menschen verschiedenen Glaubens klatschten zur Musik, tanzten fröhlich und lachten miteinander. Und saßen zusammen an langer Tafel, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Einen starken inhaltlichen Akzent und einen Anreiz, zu diskutieren, setzte der in der KulturGießerei produzierte Film zum Thema „Was bedeutet religiöses Fasten für mich persönlich?“ Das alles passte wirklich perfekt zusammen und brachte gute Gespräche in Gang.

 

Info

Das Zuckerfest mit der Ausstellungseröffnung „Weltreligionen, Weltfrieden, Weltethos“ war ein weiterer Baustein der Veranstaltungsreihe „Flagge zeigen für Vielfalt“. Nach dem „Blick auf das Zuckerfest“ heißt es am 30. September in der KulturGießerei „Blick auf Afrika“.

Kontakt

Lokale Partnerschaft für Demokratie

Koordinierungs- und Fachstelle (KuF):

Lokales Bündnis für Familie in der VG Saarburg e.V.

KulturGießerei

Staden 130

54439 Saarburg

06581/2336

Koordinatorin

Saman Ghasemloo.N
demokratie@saarburg-vielfalt.de

 

Mitarbeiterin

Britta Loch

mitarbeiter@saarburg-vielfalt.de

 

Öffentlichkeitsarbeit

Iris Frosch

webmaster@saarburg-vielfalt.de

 

Jugendforum
Dennis Klein

jugendforum@saarburg-vielfalt.de
 

Geschäftsführung​

Dr. Anette Barth​

info@saarburg-vielfalt.de

Federführendes Amt

Verbandsgemeinde Saarburg

Referat Jugend, Kultur, Sport

Schlossberg 6

54439 Saarburg

06581/81271

Kathrin Vacek

demokratie@vg-saarburg.de